Ratgeber · Gesundheit
Fieber beim Baby: Wann zum Arzt und wie du richtig handelst
Fieber ist kein Feind, sondern ein Zeichen des arbeitenden Immunsystems. Doch bei Babys kommt es auf das Alter, die Temperatur und begleitende Symptome an – wir erklären, wann Fieber harmlos ist, wann du sofort handeln musst und wie du sicher vorgehen kannst.
Was gilt als Fieber beim Baby?
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) definiert Fieber beim Baby ab einer rektal gemessenen Temperatur von 38,0°C. Je nach Messmethode und gemessener Temperatur unterscheidet man:
- Subfebrile Temperatur: 37,5–37,9°C – erhöhte Temperatur, noch kein Fieber.
- Fieber: ≥ 38,0°C (rektal).
- Hohes Fieber: ≥ 39,0°C.
- Sehr hohes Fieber: ≥ 40,0°C – immer Kinderarzt kontaktieren.
Die rektale Messung ist die genaueste Methode bei Säuglingen. Axilläre Messungen (Achselhöhle) liegen ca. 0,5°C unter dem tatsächlichen Wert – 0,5°C addieren. Ohrthermometer sind bei Säuglingen unter 6 Monaten weniger zuverlässig, da der Gehörgang zu eng ist.
Altersabhängige Dringlichkeit (DGKJ/AWMF)
Das Alter des Babys ist bei Fieber das wichtigste Kriterium für die Dringlichkeit:
- Unter 3 Monate: Bei jeder Temperatur ≥ 38,0°C sofort in die Notaufnahme – kein Abwarten, kein „mal schauen". Das Immunsystem von Neugeborenen und jungen Säuglingen ist noch nicht ausgereift, schwere Infektionen können sich rasant entwickeln.
- 3–6 Monate: Kinderarzt noch am selben Tag aufsuchen bei Fieber über 38,5°C.
- Über 6 Monate: Fieber ≤ 38,9°C ohne weitere Symptome kann 24–48 Stunden beobachtet werden. Bei anhaltend > 39,0°C oder Verschlechterung des Allgemeinzustands: Kinderarzt aufsuchen.
- Fieberdauer über 5 Tage: Unabhängig vom Alter immer zum Kinderarzt – auch wenn das Fieber zwischendurch gesunken ist.
Fiebermessung Schritt für Schritt
Die rektale Messung ist bei Babys der Goldstandard und in wenigen Schritten durchführbar:
- Thermometermessfühler dünn mit Vaseline oder einer neutralen Creme einreiben.
- Baby auf den Rücken legen, Beine sanft in Richtung Bauch anheben (wie beim Windelnwechsel).
- Thermometer ca. 1–2 cm in den After einführen – nur leicht, nicht mit Druck.
- Ca. 1–2 Minuten halten (oder bis das Signal ertönt), dann ablesen.
Nutze ausschließlich digitale Thermometer – Quecksilberthermometer sind in der EU seit 2009 verboten. Wiederhole die Messung, wenn das Ergebnis unklar oder das Baby sehr unruhig war.
Fiebersenkende Mittel – was erlaubt ist
Nicht jedes Fieber muss gesenkt werden. Fiebersenkung ist sinnvoll, wenn das Baby stark unwohl ist, schlecht trinkt oder sehr leidet – nicht automatisch bei jeder erhöhten Temperatur.
- Paracetamol: 10–15 mg/kg Körpergewicht alle 4–6 Stunden, maximal 60 mg/kg/Tag. Ab Geburt zugelassen (ab ca. 3 kg). Als Zäpfchen, Saft oder Tropfen erhältlich.
- Ibuprofen: 5–10 mg/kg alle 6–8 Stunden. Erst ab dem vollendeten 3. Lebensmonat und einem Gewicht von mindestens 5–6 kg zugelassen. Wirkt zusätzlich entzündungshemmend.
- KEIN Aspirin (ASS) bei Kindern unter 12 Jahren – die DGKJ warnt ausdrücklich vor dem Risiko des lebensbedrohlichen Reye-Syndroms.
- Die Kombination von Paracetamol und Ibuprofen (abwechselnde Gabe) nur nach ausdrücklicher ärztlicher Empfehlung – nicht auf eigene Faust.
Dosierungsangaben immer nach Körpergewicht, nicht nach Alter. Im Zweifel Kinderarzt oder Apotheke fragen.
Warnsignale – sofort in die Notaufnahme
Unabhängig von Alter und Temperatur: Bei folgenden Zeichen sofort den Notruf (112) wählen oder in die nächste Notaufnahme fahren:
- Steifer Nacken (Nackensteifigkeit) – das Baby kann das Kinn nicht zur Brust neigen, möglicher Hinweis auf Meningitis.
- Punktförmiger, nicht wegdrückbarer Ausschlag (Glastest: Hautflecken bleiben sichtbar wenn man ein Trinkglas dagegen drückt) – mögliche Meningokokken-Sepsis.
- Baby nicht weckbar, extrem schläfrig oder stark verändert im Verhalten.
- Atemnot, beschleunigtes Atmen, blaue Lippen oder Fingernägel (Zyanose).
- Fieberkrampf – auch nach dem ersten Krampf immer sofort Notaufnahme, auch wenn das Baby danach normal wirkt.
- Vorgewölbte Fontanelle (die weiche Stelle am Kopf wölbt sich nach außen, auch wenn das Baby aufrecht sitzt).
Quellen: DGKJ-Leitlinie Fieber bei Kindern; AWMF-Leitlinie Fieberkrampf (S1, aktualisiert 2023).
Hausmittel die helfen
Ergänzend zu Medikamenten – oder wenn das Fieber noch keine Medikation erfordert – können folgende Maßnahmen das Wohlbefinden verbessern:
- Viel Flüssigkeit: Stillende Mütter häufiger anlegen; ab 6 Monaten zusätzlich Wasser anbieten. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist beim Fieber besonders wichtig.
- Kühles Zimmer: 18–20°C sind ideal; nicht überhitzen. Baby leicht kleiden (eine Lage weniger als üblich).
- Wadenwickel: Nur einsetzen, wenn kein Schüttelfrost vorhanden ist und Hände sowie Füße warm sind. Lauwarm feuchte Tücher um die Waden wickeln, 10 Minuten, dann abnehmen.
- Ruhe und Körperkontakt: Tragen, kuscheln, Körpernähe – das beruhigt das Baby und hilft dem Körper, mit der Infektion umzugehen.
Bäder in kaltem Wasser und eiskalte Wickel sind nicht empfohlen – sie können Schüttelfrost auslösen, der die Körpertemperatur weiter ansteigen lässt.
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Wenn das Baby krank ist, ist es schwer, den Überblick zu behalten: Wann war das letzte Fieberzäpfchen? Wie hoch war die Temperatur heute Mittag? Hat sich das Fieber gebessert oder verschlechtert?
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